Second Life: neu, jetzt noch toter!
Im deutschen Feuilleton gärt es: Keiner kann (noch) mehr abschreiben, keiner will den Kram noch lesen.
google <”Second Life tot”> Um ihnen nur die treffendsten Ergebnisse anzuzeigen, wurden einige Einträge ausgelassen, die den 67 bereits angezeigten Treffern sehr ähnlich sind.
Moment, Google geht anders. <tot OR menschenleer OR ausgestorben OR entvoelkert “second life” mit aktiviertem Safe Search und made in Germany> bricht auf Seite 6 entnervt ab, und findet, dass die restlichen 156.448 Treffer den 552 angezeigten hinreichend ähnlich sind.
Aha, Second Life ist tot. Komisch, heute morgen war es noch da…. Und wieso?
Second Life ist tot, weil: jetzt was ganz anderes angesagt ist.
Ja, klar, lasst uns alle Barbie Girls stürmen. Zugegebenermassen, die Aufteilung in Friends (0) und Best Friends (0) täte mir in SL auch mal ganz gut (Best Friends: ca. 200. Die Second Life-Hilfeseiten sagen dazu lakonisch, wenn man keine Ahnung hat, wer es ist, soll man ihn löschen… ) Aber in Barbie Girls sind nur Mädchen (jedenfalls konnte ich keine Jungsoutfits zusammenklicken).
Oder Stagespace (eines der wenigen Worte, das ich nach dem Konsum von 4 Bier besser aussprechen kann): Der einzige Typ, den ich dort je getroffen habe, ist, als ich ihn “angechattet” habe, instantan vaporisiert. Wahrscheinlich hat er es mir übel genommen, dass ich den “Tisch” aus der “Disco” weggenommen habe. An alle, die sich in den nächsten 2 Jahren mal in St… einloggen: Den “Tisch” aus der “Disco” hat “Torrid”. “Torrid” ist btw. eine blonde Transe mit Brettfrisur, die immer die Sprechblase “Hallo, ich bin Torrid” spazierenträgt. (Hab ich nie geschrieben, Unverschämtheit!)
IBM Metaverse: Ich war noch nie im Teen Grid von Second Life. Dort gibt es zwar Schusswaffen, aber angeblich kann man seine Unterwäsche nicht ausziehen, das soll wohl irgendwie damit zu tun haben, dass die Server in Amiland stehen. (/me schaut puzzled drein, und macht sich Sorgen ueber die Intimhygiene amerikanischer Teens. Nur kurz.) IBM geht jetzt mit der neuen B2B-Web-3D-Plattform “Metaverse” noch einen logischen Schritt weiter: Dort kann man auch seinen Schlips…
twinity: Extrem hippe community (made in Berlin, haha), meilenweit Presseankündigungen, businesskonform bis über beide Ohren. Horseshoe: Aus Insiderkreisen habe ich erfahren, dass es auf einer Spieleengine basieren wird, die Windoof-only ist; d.h. die coolen Blogger werden dahin auch nicht abwandern, und meinen Beta-Schein kann ich genausogut wieder abgeben, denn Torrid ist nun mal proud Linux-only-User… :-]
C:\Programme\Papermint: no commint.
Ach ja, es gibt da noch diese Online-Community, wo man seine eigenen Werke hochladen kann, und dann quasi in Echtzeit von anderen Usern Feedback bekommt, oder sogar deren eigene Multimedien, quasi Battlerap mit selbstproduziertem Stuff. Super toll, und laut einigen selbsternannten Marktforschern wandern die User neuerdings scharenweise dorthin ab. Die genaue Url fängt irgendwie mit “you” an, und hoert mit “tube.com” auf.
Second Life ist tot, weil: meine Peer Group nicht drin vorkommt.
(man ersetze “meine Peer Group” durch: mein WoW-Clan, die Blogosphäre, ich, in meiner Eigenschaft als Redakteur.)
Mit World of Warcraft kenne ich mich leider nicht so aus, ich spiele nämlich keine Computerspiele. Es kommt in Second Life immer mal wieder vor, dass furchterregende mordende und brandschatzende Horden in ein Sim einfallen, meist so 1-3 Mann. Übrigens, komischerweise tragen Frauen zwar oft extrem amtliche Schusswaffen, ja Technikverliebtheit ist heutzutage unisex. Aber sie benutzen sie mehr als Accessoires, Schießen ist doof und langweilig. Und es es gibt wesentlich effektivere Waffen, Ballistik ist irgendwie so Twentieth…
Ach ja, wir waren bei den 3-Mann-Horden stehengeblieben. Naja, wenn Frau ihre effektive Waffe gegen die Barbaren anwendet, sehen die meist nach kurzer Zeit ein, dass sie im falschen Film sind. Und loggen sich wieder da ein, wo sie hingehören.
Nachdem ich einige Blogger ganz begeistert in SL wiedergetroffen habe und mir einen regen Gedankenaustausch per IM erhoffte, war es doch sehr ernüchternd, wie viele Leute zu den schlimmsten lol-stammelnden Wracks verkommen, sobald sie ein paar bunte, bewegende Bilder um sich rum sehen. (Die German Bloggers sind ausdrücklich und jede(r) einzeln von dieser Feststellung ausgenommen, die hab ich ja auch erst als gefestigte SL-Residents kennengelernt.) An alle: Ja, es ist durchaus regelkonform und von meiner Seite ausdrücklich erwünscht, sich in IM und Chat des Stilmittels “Ganzer Satz” zu bedienen. (OMG, Google sagt, dass gerade einmal 9 Menschen im ganzen Internetz das Idiom “sich eines Stilmittels bedienen” in ihrem aktiven Wortschatz haben. Inkl. Blogbla(se).) Vorläufiges Fazit: Einige Leute sind genau da gut aufgehoben, wo sie keinen interaktiven Wortschaden anrichten können.
Ach ja, Herr Redakteur, nach Ihren Artikeln vom Anfang des Jahres müssen Sie sich auch nicht wundern, dass Einladungen zum Cybersex in letzter Zeit mit der Frage nach den Weiterverwertungsrechten gekontert werden. Aber das mit der Freien Liebe kommt wieder, da bin ich ganz sicher.
Second Life ist tot, weil: sich die Global Player zurueckziehen.
Mal in eigener Sache: Dass ein amtlicher SL-Auftritt mindestens USD10000 kostet (aber normalerweise nicht: schnell einige hunderttausend, liebes Handelsblatt), weiss ich aus eigener Erfahrung, schließlich lebe ich im RL davon. Und wisst Ihr was: Eine normale Firmenwebsite kostet genausoviel, nur dass man da den ausbleibenden Traffic nicht so dermassen bildhaft und in pseudo-3D vor Augen geführt bekommt. Genau wie eine gute Website kann man einen guten Second-Life-Auftritt nur mit 2 Schmiermitteln am Laufen halten: Gute Kenntnisse der Materie, und Liebe. (Nein! Nicht was Du jetzt denkst, Redakteur! *klatsch*)
Tja, und wer glaubt, diese beiden Faktoren outsourcen zu können, hat einfach mal Pech gehabt, egal in welchem Medium. (Moment, das soll natürlich nicht heissen, dass ich und meine fabelhafte Primforge-Group nicht weiterhin bereit sind, Global und auch Local Player ins Second Life zu begleiten, aber eben nur das. Meine Pappenheimer haben jedenfalls früher oder später begriffen: “Du bist Second Life.”. Das gehört sogar zu einem meiner primären Lernziele beim Consulting.)
Wer aber das mit dem Web 2.0 in den ersten beiden Dimensionen nicht gerafft hat, der wird es auch nicht extrudiert bekommen.
Second Life ist tot, weil: die Grafik schlecht ist.
Auch das sagen vermutlich wieder hauptsächlich besagte Redakteure, die immer noch mit ihrer ollen On-Board-GraKa einloggen wollen. Böse Zungen behaupten ja, dass der Plan, SL als Businessplattform zu etablieren in Wirklichkeit von den Harwareherstellern lanciert wurde, die endlich das Marktsegment der Millionen Pentium-II- Nutzer angraben wollen, bei denen das gute alte Office 97 hervorragend läuft. (Das kann nicht stimmen, jeder weiss, das nach Word 5 keine stabile Version mehr herausgegeben wurde…)
Die angeblichen Nachrichten um den bevorstehenden Launch eines Massive Multiplayer Online B2B Roleplay SoftImage oder Cinema4D sind jedenfalls stark übertrieben.
Fazit:
Der Hype ist vorbei. Geld verdient sich nach wie vor nur in der Immobilienbranche von allein, freien Sex bekommt nur, wer auch im RL die Grundregeln des Flirts beherrscht, und mehr als 4 Layers Tätowierungen sind auch nicht in Sicht. Business as usual. Aber in den Schreibkellern von Faz, Zeit und computerhilfen.de (Ey: nie vorher gehört!!1!) brennt noch Licht….
Torrid Luna feierte kürzlich ihren ersten Rezzday in Second Life, sie liest sowohl den Avastar als auch die Süddeutsche. Mit Ihrer Gruppe “Primforge” (KG in Gruendung) hilft sie Firmen beim Start ins zweite Leben, und gehört zu den 825 Usern, die im März (und auch sonst immer öfter) mehr als 1000 echte Dollar in und mit Second Life verdient haben.
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December 5th, 2007 at 16:53
[...] sein… Ich geh mir mal vorsichtshalber das berühmte “Kleine Schwarze” kaufen, die restriktiven Kleiderregeln von Big Blue sind ja weithin bekannt. [...]